"Die Kunst des Fliegens" - Knochenarbeit in 3D

Ein Schuhkarton voller Knochen statt Kohlefaser-Stringer oder Alu-Rippen - auch ein 3D-Vermessungsdienstleister mit 20 Jahren Erfahrung in der Luft- und Raumfahrtindustrie steht immer wieder vor überraschenden Herausforderungen.
Das bleiche Gebein des Haliaetus Albicilla, die kleinsten Teile gerade mal 1cm groß, sollte zwecks Flugsimulation zumindest digital noch einmal zum Leben erweckt werden. Immerhin erreicht ein ausgewachsener Seeadler (Haliaetus Albicilla) bei einer Flügelspannweite von 1930 - 2440 mm eine Reisegeschwindigkeit von ca. 60 km/h.
Unsere Aufgabe war es, jeden einzelnen Knochen dreidimensional und hochauflösend zu digitalisieren. Hochgenaue 3D-Flächendigitalisierung mit extremer Detailauflösung gilt als besondere Stärke der Streifenprojektionstechnik. Der mobile 3D-Scanner "ATOS III" von GOM erfasst beliebig geformte Objekte von 10 mm bis 10 m mit einem Punktabstand von 0,15 bis 1,0 mm. So konnten wir selbst Knochen-Details von 0,3mm darstellen und im STL-Datenformat zur Verfügung stellen.


Die spätere Rekonstruktion des Seeadlerskeletts und Visualisierung des Fluges mit der 3D-Animations- und Renderingsoftware "Maya" übernahm Jonas Lauströer im Rahmen seiner Diplomarbeit "Haliaetus Albicilla oder die Kunst des Fliegens" im Fachbereich Gestaltung an der HAW Hamburg. Ein Video der 3D-Animation ist auf der Internetseite des Illustrators zu sehen (http://www.jonas-laustroeer.de ).

Der Einsatz der Streifenprojektion bei der Digitalisierung eines Seeadlerskeletts macht deutlich, dass sich die Stärken mobiler, optischer 3D-Messsysteme nicht nur im Umfeld industrieller Qualitätssicherung und Bauteilkontrolle zeigen. Das 3D-Streifenprojektionsverfahren liefert hochaufgelöste Daten für Illustrationszwecke, wie sie auch im Bereich der Medizin, Archäologie, Denkmalpflege und für andere Anwendungen denkbar sind.